Was tun, wenn mein Pferd koppt ?

Mein Pferd koppt. Warum auch immer. Ist diese Verhaltensstörung erst einmal da, bleibt sie auch bestehen. Abgewöhnen lässt sich das nicht mehr. Aber wie gehe ich als Pferdebesitzerin damit um, wo ich mir ernsthaft Sorgen um die Gesundheit meines Pferdes mache ? Besonders in Bezug auf Koliken ?

Doch zunächst zu den Ursachen.
Kurz gefasst:

  • es ist noch immer ist nicht geklärt, weshalb Pferde koppen
  • es ist eine Verhaltungsstörung, keine Krankheit
  • anscheinend wird die Veranlagung dazu vererbt (irgendwo habe ich gelesen, dass manche Hengste diesen Tick an bis zu 80% ihrer Nachkommen weitergeben), also wenn möglich, beim Pferdekauf auch die Eltern kennenlernen
  • falsche Prägung oder Haltung können Koppen auslösen
  • auch zu frühes Entwöhnen, fehlende Sozialkontakte, Langeweile können Koppen auslösen
  • auch Zahnfehler können Ursache sein

Ob Zahnfehler als Ursache in Frage kommen, lässt sich leicht feststellen. Wenn nach einer Zahnbehandlung, und zwar unbedingt durch einen ausgebildeten Pferdedentisten (!), das Koppen aufhört, ist die Sache klar. Und wenn nicht, profitiert das Pferd auf jeden Fall von seinen behandelten Zähnen.

Es heißt auch, dass Pferde, die zu früh entwöhnt werden, zum Koppen neigen. Aus der Vorgeschichte meines koppenden Pferdes weiß ich, dass er ein Frühchen war und wohl auch früh „aussortiert“ wurde.

Auch wenn er zur Zeit der Boxenhaltung im Winter tagsüber lange mit seiner Herde auf der Weide stand, teilweise sogar mehr als 12 Stunden pro Tag, wurde sein Koppen weniger heftig seit der Offenstallhaltung.

Aus Sorge um ihn, dass er Koliken durch das Koppen bekommen könnte, hatte ich damals seine Box (der Offenstall war noch nicht fertig) zu einem Hochsicherheitstrakt umgebaut. D.h., ich habe alle möglichen Aufsetzstellen verbaut bzw. geglättet. Zunächst schien er verwundert und suchte natürlich nach einer neuen Kante oder anderen Möglichkeit zum Aufsetzen. Mit der Zeit erkannte ich jedoch, dass er aus seinem seelischen Gleichgewicht kam, ja er wurde sogar aggressiv. So kannte ich meinen Schnuffi nicht !

Was war passiert ?

Letztendlich habe ich ihm seinen Ausgleich, sein seelisches Ventil genommen. Einerseits ist es sein Tick, während des Fressens zu Koppen. Andererseits ist Koppen für ihn aber auch Stressabbau und gleichzeitig Selbstbelohnung. Und wenn ich ihm das nehme, erreiche ich das gleiche, als wenn ich einem Kettenraucher seine Zigaretten nehme.

Was war meine Konsequenz ?

Der ganze Verbau in seiner Box wurde beseitigt, er sollte wieder Koppen dürfen. Das wichtigere war aber wohl, dass ich (!) meine Einstellung zum Koppen geändert habe und nun gelassen damit umgehe. Ich lasse ihm diesen Tick und verhalte mich neutral, d.h. ich verstärke dieses Verhalten weder positiv noch negativ. Es bringt sowie so nichts, es gehört sozusagen zu ihm. Hinzu kam noch der Hinweis einer Tierärztin, dass eine Kolik, die durch Koppen ausgelöst wird, relativ schnell zu heilen ist. Denn die Ursache ist hier ja „nur“ eine Portion verschluckte und festsitzende Luft im Verdauungstrakt, und die lässt sich durch die üblichen, entspannenden Kolikspritzen leicht lösen. Das hat mich doch sehr beruhigt. Das und die Tatsache, dass mein Pferd letztendlich noch nie eine Kolik durch sein Koppen bekommen hat.

Wichtig ist nur, und das gilt auch für die Offenstallhaltung, dass ich meinem Kopper Aufsetzmöglichkeiten aus Holz biete, um seine Zähne zu schonen. Und die nimmt er auch gerne an. Denn auf Metall, Stein- oder Betonkannten setzt er nicht so gern auf bzw. tut dies nur im Notfall.
Als Aufsetzmöglichkeiten können z. B. ein Holzpfahl am Weiderand sein (nicht gerade ein Zaunpfahl, denn er wird mit der Zeit gelockert) oder auch Holzlatten waagerecht oder auch senkrecht an geeigneter Stelle angebracht werden.
Das ist es jedenfalls, was ich für meinen Kopper tun kann. Denn Koppriemen oder Operation kommen für mich nicht in Frage, zumal die Wirksamkeit beider Methoden sehr fraglich ist.

Auf jeden Fall ist mein Schnuffi nun wieder ausgeglichen und seine und meine Welt ist wieder in Ordnung. Und, was ebenso wichtig ist: Bisher hat sich kein (!) anderes Pferd in seiner Herde das Koppen abgeguckt und ist selbst zum Kopper geworden.

3 Gedanken zu “Was tun, wenn mein Pferd koppt ?

  1. Pferde Koppen um mehr Speichel zu erzeugen der wiederum die Magensäure verdünnt die Wiederum Durch Stress erzeugt wird.
    Also.
    Dem Pferd den Stress nehmen
    Und erstmal mal die Magensäure mit entsprechenden Mitteln leicht neutralisieren.

  2. Meine Stute koppt auch. Sie ist jetzt sechs Jahre alt und ich habe sie schon koppend gekauft. Ich kann nur bestätigen, was Tierärzte und andere Pferdebesitzer schon festgestellt haben: Kopper sind stressanfällige Pferde. Mit der Unterbringung in einem Aktivstall mit 24 Stunden Heu haben wir die Kopperei auf ein Mindestmaß reduziert. Kraftfutter, dass wenig bzw. keinen Zucker und keine Stärke enthält, hat die Situation weiter verbessert. Allerdings füttere ich im Winter ein Futter zur Reduktion der Magensäure bei. Unsere heutigen Sportpferde sollen leichtrittig sein. Diese Eigenschaft kann man aber auch gleichsetzen mit hoher Laufbereitschaft und einer großen Portion Sensibilität. Wird auf beides keine Rücksicht genommen, hat man ganz schnell einen Kopper.

    • Danke, dass Du Deine Erfahrungen hier teilst, Sigrun. Ich sehe es auch so, dass wir unseren Koppern einige Hilfestellung geben können und auch sollten. Und sich selbst nicht verrückt machen lassen dadurch. Was fütterst Du zur Bindung der Magensäure zu?

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