Pferde erziehen mit freundlichen, sanften Berührungen

… dies ist frei übersetzt die Methode von Peter Kreinberg, genauer The Gentle Touch®, kurz TGT®. Vor kurzem habe ich Peter Kreinberg auf einer Station der e-motion-pferd TOUR 2012 erlebt. Und ich muss sagen: Es war beindruckend, inspirierend und vor allem humorvoll. Letzteres gefällt mir im Umgang mit Menschen und Tieren immer am besten. Nämlich wenn wir nicht alles so ernst und wichtig nehmen, besonders uns selbst…

Aber zurück zu Peter Kreinberg. Worum geht es ihm und wie arbeitet er ? Es geht ihm darum, unsere sonst so braven Pferde auch in aufgeregten Gefahrensituationen kontrollieren und auf sie einwirken zu können. Und dazu braucht es eine entsprechende Vorarbeit mit Vertrauensaufbau und dem Einüben bestimmter, hilfreicher Verhaltensweisen. Um welche Situationen es geht, brauche ich nicht zu beschreiben, das haben wir alle mehr oder weniger schon erlebt. Und auch tatsächliche oder beinahe-Unfälle, die dabei passieren, kennen wir, leider.
Weiterhin geht es Peter Kreinberg nicht (!) darum, von Pferden als Mit-Pferd gesehen zu werden. Denn dann ist der Mensch schnell im Nachteil oder sogar gefährdet. Beispiel: Der verspielte Youngster soll ruhig mit seinen Kumpels spielen und dabei beißen und treten, aber bitte nicht uns. Also, wir nehmen einen Sonderstatus ein, wobei wir die Führung übernehmen und dabei gleichzeitig Sicherheit geben.
Kreinberg nutzt in seiner Arbeit drei universelle Energien, die auf alle Lebewesen jederzeit wirken:
1. Raumgebende Energien
Ich mache dir Platz, ich geben dir Raum, bitte geh dort hinein, folge mir.
2. Blockende Energien
Stopp ! Bis hier hin und nicht weiter !
3. Druckgebende Energien
Ich gehe bzw. dränge jetzt dort hin und du sollst weichen.

Beispiel: Der Richtungswechsel bei der Arbeit mit dem Leitseil oder der Longe. Ich gebe dem Pferd Raum, sich herum zu bewegen. Um den Richtungswechsel einzuleiten, blocke ich das Pferd, in dem ich z. B. kurz und deutlich mit Seil bzw. Longe ziehen und ich gebe Druck, indem ich mich dem Pferd in den Weg stelle. Gleichzeitig gebe ich wieder Raum frei, nämlich da wo ich eben noch stand, und sage so dem Pferd, dort sollst du nun hin gehen. Und das tut es i.d.R. auch, zumindest nach ein bisschen Übung. Voraussetzung ist selbstverständlich eine deutliche Kommunikation durch mich. Wenn mein Pferd z. B. nicht weichen will, wenn ich meinen neuen Raum einnehmen will, kann ich meine Kommunikation auch dadurch verdeutlichen bzw. verstärken, indem ich mit dem Seilende auf dem Boden schlage und damit sage: Dies ist mein (!) Platz !
Deutlich muss dabei nicht heißen, dass ich kräftig und heftig am Pferd herumziehen oder -drücke. Eher das Gegenteil. Wieder ein Beispiel: Ich führe ein sehr eiliges Pferd, das mir förmlich davon laufen will. Wenn ich nun mit anhaltendem Kraftaufwand am Strick bzw. Halfter ziehe, habe ich alles andere als eine feine Kommunikation, in kurzer Zeit ein missgelauntes Pferd, einen erlahmten Arm und eigenen Frust aufgebaut.
Die bessere Methode nach Peter Kreinberg geht folgender Maßen: Kontakt, Impuls, Nachgeben. Zunächst nehme ich Kontakt auf, indem ich den Führstrick auf Spannung bringe (aber noch ohne Druck/Zug). Und nun gebe ich drei Impulse, die in ihrer Intensität ansteigen. Also dreimal kurz am Strick ziehen, erst leicht, dann stärker, zum Schluss sehr deutlich. Dann sofort den Druck wegnehmen. Und wieder von vorn. Und zwar so lange, bis dem Pferd das Ganze zu lästig und es langsamer wird. Wenn das Pferd langsamer wird, nehme ich als Belohnung jeden Druck sofort weg und gehe selbst nun schneller. Wenn ich nun noch eine Woche lang jeden Tag für 10 Minuten schneller, langsamer, halt und rückwärts gehen übe, habe ich danach auf jeden Fall ein anderes Pferd !
Anderes Beispiel: Ich möchte meinem Pferd beibringen, durch antippen mit der Gerte vorwärts, rückwärts oder seitwärts zu gehen. Ich lege die Gerte als erstes an und nun sollte noch gar nicht passieren. Das Pferde sollte dies entspannt dulden, ansonsten muss ich durch abstreichen des Pferdes am ganzen Körper diese Gelassenheit zunächst erarbeiten. Also, erst der Kontakt mit der Gerte, und nun wieder in 3er-Impulsen das Pferd antippen und dabei stärker werden. Aufhören und von vorne anfangen. Das mache ich so lange, bis das Pferd wie gewünscht reagiert. Sofort nehme ich jeden Druck weg und lobe es.
Die Impulse sollten nicht zu stark sein, sondern eher für das Pferd lästig werden. Wir wissen, wie schnell Pferde auf lästige Fliegen reagieren, und dieses Bild vor Augen kann uns sicherlich gut helfen, unsere Kommunikation immer mehr zu verfeinern. Am besten ist es natürlich, das alles auf Seminaren von z.B. Peter Kreinberg zu lernen.

Ich weiß nicht mehr wo und vom wem, aber letztens habe folgende Aussage gehört, die sinngemäß lautet: Schade, dass wir nicht den Fliegen beibringen können, unsere Pferde auszubilden. Dann hätten wir wirklich eine sehr feine Kommunikation erreicht.

Es gibt noch mehr zu berichten über den Tag mit Peter Kreinberg, doch davon gibt es das nächste Mal mehr, versprochen.

2 Gedanken zu “Pferde erziehen mit freundlichen, sanften Berührungen”

  1. Ist das nicht genau der Ansatz vom „Pferdepflüsterer“ Buck Brannaman? Die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes studieren und imitieren um so das Verständnis zwischen Pferde und Mensch zu stärken?

    • Hallo Andrea, leider habe ich die Dokumentation über Buck noch nicht gesehen. Sie interessiert mich aber sehr und deshalb hole ich das bald nach. Von daher kenne ich seine Methode nicht so genau und kann deshalb nicht sagen, ob ich mit meiner Beschreibung von Peter Kreinbergs Arbeit auch die von Buck Brannaman getroffen habe. Ich denke aber, da Peter Kreinberg ja einen Schwerpunkt oder zumindest seinen Ursprung im Westernreiten hat, hat er sicherlich auch die Arbeit von Brannaman schon deutlich früher kennengelernt als wir. Und was gut ist, sollte ja auch übernommen werden, finde ich.
      Mehr Infos: https://www.rund-ums-pferd.info/pferde-erziehen-mit-freundlichen-sanften-beruhrungen/

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